Verschiedene bundesweite Untersuchungen haben immer wieder gezeigt, dass die Motivation bzw. das Interesse bei vielen Jugendlichen, insbesondere bei vielen Mädchen für das Fach Physik eher gering ist. Vor diesem Hintergrund, aber auch in dem Wissen, dass technische Berufe in der Zukunft krisensicher und außerordentlich nachgefragt sein werden, versuchen wir am KGB seit mehr als 10 Jahren, diesem Problem der geringen Motivation mit verschiedenen Maßnahmen entgegenzuwirken.

 

 

Trennung im Anfangsunterricht

Im Anfangsunterricht der Klassenstufe 7 heben wir die Koedukation im Physikunterricht auf.

Untersuchungen an reinen Mädchenschulen, aber auch an anderen Projektschulen zeigen, dass sich Mädchen im Physikanfangsunterricht deutlich besser entwickeln können, wenn sie unter Ihresgleichen sind. Jungen in dieser Altersgruppe, die im Bereich der Physik häufig einen Wissensvorsprung haben und diesen auch gerne im Unterricht kundtun, schüchtern die eher zurückhaltenden Mädchen insbesondere bei deren experimentellen Ersterfahrungen nachweislich ein. Aus Befragungen unserer Schülerinnen in den letzten Jahren wissen wir, dass die Trennung von Jungen und Mädchen im Physikunterricht außerordentlich positiv bewertet wird. Viele Mädchen wünschen sich eine Weiterführung dieser Geschlechtertrennung auch in den folgenden Klassenstufen.

 

 

 

Wahlpflicht in Klasse 8 und 9

Im Wahlpflichtbereich des KGB können die Schülerinnen und Schüler an der Junior-Akademie teilnehmen. Dies sind zwei Projekte, die durch die Sparkassen-Stiftung Stormarn unterstützt werden. In Klasse 8 durchlaufen die Schülerinnen und Schüler die Schüler-Ingenieur-Akademie und in Klasse 9 erfolgt eine Kooperation mit Grundschulen und Kindergärten.

Im Rahmen der Schüler-Ingenieur-Akademie setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen naturwissenschaftlichen Fragestellungen auseinander, arbeiten davon ausgehend an Projekten und können im Verlauf auch an Wettbewerben teilnehmen.

In den vergangenen Jahren bestand die Schüler-Ingenieur-Akademie beispielsweise aus zwei Teilprojekten. In einem Teil entwickelten die Schülerinnen und Schüler ein Messverfahren, mit dem Kräfte mittels Dehnungsmessstreifen (DMS) sichtbar gemacht wurden. Insbesondere sollten Verformungen untersucht werden, die für das Auge nicht sichtbar sind (z.B. Belastungen von Metallen). Im zweiten Teil stellten die Schülerinnen und Schüler einen Biokraftstoff her, mit dem ein Motor betrieben werden kann. Zudem verschafften sich die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in Biogasanlagen und entwickelten ausgehend davon eigene Modelle. Der zweite Teil wurde durch die Fachschaft Chemie betreut.

Ebenso wurden im Rahmen der Schüler-Ingenieur-Akademie in der Vergangenheit beispielsweise solarbetriebene Modellautos und Murmelbahnen geplant und gebaut. Ausgehend von eigenen physikalischen Kenntnissen wurden sich weitere Kenntnisse zu den einzelnen Komponenten angeeignet und deren Wirkungsgefüge verstandenen.

 

 

 

 

Im Verlauf der Kooperation mit Grundschulen und Kindergärten planen und bereiten die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse physikalische Experimente vor. Diese werden dann mit Kindern aus Grundschulen und Kindergärten durchgeführt und ausgewertet. Nach Möglichkeit sind die Experimente anschaulich, aber auch spannend und verblüffend. Den Kindern wird dabei ein Einblick in naturwissenschaftliches Denken und Arbeiten gegeben. Zudem soll das Interesse für Physik und andere naturwissenschaftliche Fächer gefördert werden. Ziele für die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen bestehen darin, die den Versuchen zu Grunde liegenden Gesetzmäßigkeiten zu verinnerlichen. Weiterhin werden diese Gesetzmäßigkeiten „kindgerecht“ aufbereitet und dargestellt.

 

 

Naturwissenschaftliches Profil der Oberstufe

Seit dem Schuljahr 2008/2009 wird am KGB, in der neu strukturierten Profiloberstufe, Physik als profilgebendes Fach im naturwissenschaftlichen Profil angeboten.

Um unseren Schülerinnen und Schülern einen weiteren Einblick in naturwissenschaftliches Arbeiten zu ermöglichen, führen wir dort in der Einführungsphase der Oberstufe ein naturwissenschaftliches Praktikum durch. Für eine Woche arbeiten die Schülerinnen und Schüler des Profils an und in verschiedensten Forschungseinrichtungen (Universitäten, Forschungslaboratorien, Firmen mit eigenen Forschungseinrichtungen), um Tagesabläufe und Berufsbilder kennenzulernen.

Ebenfalls in der Einführungsphase bietet das Kopern'Ing-Projekt in Kooperation mit der Firma Getriebebau Nord, der TUHH (Technische Universität Hamburg Harburg) und der Nordakademie Elmshorn eine weitere Möglichkeit, Informationen und experimentelle Erfahrungen auf höchstem wissenschaftlichen Niveau zu erhalten. Hierbei wird das Tätigkeitsfeld eines Ingenieurs im Kleinen abgebildet. In diesem Rahmen entwickelten die Schülerinnen und Schüler in den vergangenen Jahren Geräte, die beispielsweise unserer Partnerschule in Tansania oder dem Naturerlebnis Grabau zur Verfügung gestellt wurden (u.a. eine Wasserentkeimungsanlage auf UV-Basis und ein Tierstimmengenerator).

Mit der TUHH (Institut für Mikrosystemtechnik) besteht zudem ein Kooperationsvertrag. Dieser bietet Möglichkeiten für Institutsbesuche und unterstützt die Schülerinnen und Schüler bei Projekten und Wettbewerben.

 

 

 

 

Alle diese Maßnahmen führen unserer Meinung nach dazu, dass die Schülerinnen und Schüler unsere Schule im Laufe der Zeit eine gute Vorstellung von naturwissenschaftlichem Arbeiten bekommen und durch viele eigene Erfahrungen auch interessierter und motivierter im Physikunterricht mitarbeiten können.