Grauer Himmel. Es regnet Bindfäden. Der März zeigt sich von seiner ungemütlichen Seite. Doch etwas ist anders an diesem Montagmorgen. Die Autoschlange vor der Schule ist lang, die Fahrradständer sind gut gefüllt und man hört Stimmen vieler junger Menschen. Das lange Warten hat für viele der ca. 750 Schülerinnen und Schüler des Kopernikus Gymnasiums seit heute ein Ende. Aufgeregtes Stimmengewirr, hier ein Lachen, dort ein lautes, freudiges Wiedersehen: Heute – fast genau drei Monate nach Beginn des zweiten Lockdowns – erwacht das Kopernikus Gymnasium endlich wieder zum Leben. „Es war eine lange Zeit, in der man seine Freunde nicht mehr gesehen hat“, freut sich Clara aus der 10. Klasse als sie mit drei MitschülerInnen gemeinsam in der Cafeteria sitzt. Das sieht auch Georgia aus der 11. Klasse so: „Mir haben die sozialen Kontakte schon sehr gefehlt.“ Einen anderen Aspekt spricht Josephine aus der 10. Klasse an: „Mit hat vor allem der routinierte Ablauf des Tages gefehlt“. Schule ist eben weit mehr als nur Inhalte der Lehrpläne zu verarbeiten. „Ich finde es vor allem wichtig, dass man jetzt wieder in die Interaktion miteinander treten kann. Das Lernen an den Bildschirmen war schon sehr anonym“, ergänzt Nico. „Auch wenn sich unsere LehrerInnen viel Mühe gegeben haben, uns den Unterrichtsstoff digital zu vermitteln, fühle ich mich deutlich sicherer, wenn ich direkt Nachfragen stellen kann“, merkt Lena insbesondere mit Blick auf den komplexen Mathematikunterricht in Jahrgang 10 an.

Neben den Schülerinnen und Schülern freuen sich auch die Lehrkräfte der Schule darauf, ihre Schülerinnen und Schüler endlich wiederzusehen. Viele haben ihre Klassenräume vorbereitet, um den Schülerinnen und Schülern einen schönen Empfang zu bereiten. „Mir ist wichtig, dass meine Schülerinnen und Schüler ihren Klassenraum mit einem Lächeln im Gesicht betreten“, erläutert Sina Bretzmann, Klassenlehrerin einer 9. Klasse. „Ich habe sogar Luftballons aufgepustet. Natürlich mit einer Luftpumpe. Coronakonform eben“, ergänzt sie lachend. Für gute Laune sorgte heute zudem der 12. Jahrgang, der seine Mottowoche mit den Kindheitshelden begann. Und so liefen neben vielen aufgeregten Schülerinnen und Schülern auch Bob der Baumeister, Bibi&Tina und Shaun das Schaaf die Schulstraße des KGB entlang.

Doch noch ist der Alltag nicht wieder gänzlich zurück im KGB. Viele Klassen sind in zwei Gruppen geteilt – die einen in Präsenz, die anderen zuhause. Alle Schüler sitzen an Einzeltischen. Mützen und Jacken werden getragen, um die kalten Märztemperaturen auszuhalten, die durch das regelmäßige Lüften für kühle Klassenräume sorgen. Und es gibt auch kritische Stimmen, die sich mit der Schulöffnung befassen. „Mir ist nicht klar, warum bei steigenden Inzidenzen die Schulen und Läden öffnen und man so weitere Kontakte unter den Menschen fördert“, kritisiert Schülersprecher Frederik die Maßnahmen. „Ehrlich? Ich habe ein wenig Angst mich und andere zu infizieren. Ich hätte mir gewünscht, dass man im Homeschooling bis zu den Osterferien verbleibt.“

 

Vielen ist klar, dass es ein Privileg ist, wieder zur Schule gehen zu dürfen. Und dass dieser Weg noch keine Sicherheit bedeutet. Sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst und möchten den Hinweis von Schulleiterin, Frau Wrede, in die Tat umsetzen: Wir schaffen es nur gemeinsam.