Das Kopernikus Gymnasium Bargteheide lässt sich von der Pandemie nicht ausbremsen: Da eine Reise nach Spanien mit Schülerinnen und Schülern zurzeit undenkbar ist, verlagert die Spanischfachschaft die interkulturelle Begegnung in den virtuellen Raum. 

 

Das erste Mal ohne Eltern ins Ausland reisen, in einer Gastfamilie wohnen und sich in einer fremden Sprache und Kultur zurechtfinden – eine wertvolle Erfahrung für jeden Jugendlichen. Aber ein Schüleraustausch in Corona-Zeiten? Geht das überhaupt? 

„Claro que sí“ – na klar geht das: Der seit 2017 bestehende, jährlich stattfindende Austausch mit der Partnerschule IES Francisco Giner de los Ríos de Alcobendas (nahe Madrid) wurde in ein virtuelles Erlebnis umgewandelt, das sich – anders als der sonst einwöchige Partnerbesuch – über vier Monate, von März bis Juni, erstreckt. 

In engem Kontakt mit den spanischen Kollegen, allen voran Deutschlehrer Jorge Blas Relaño, Leiter der Deutschen Sektion des instituto (Gymnasium), wurde ein Konzept entwickelt, das virtuelle Begegnungen zwischen Schülerinnen und Schülern beider Schulen ermöglicht. Bereits seit einigen Jahren sammelt die spanische Partnerschule Erfahrungen im Bereich Erasmus+. Der virtuelle Schüleraustausch mit dem KGB ist daher an das europaweite Programm zur Förderung von Bildung, Jugend und Sport angelehnt. 

Da die Nachfrage auf der spanischen Seite sehr groß ist, nehmen am Kopernikus Gymnasium gleich zwei Kurse mit insgesamt 34 Schülerinnen und Schülern an dem „Austausch der anderen Art“ teil: der Wahlpflichtkurs der Klassen 9 mit Spanisch im zweiten Lernjahr sowie der Spanischkurs 10, der die Fremdsprache bereits im dritten Jahr erlernt. 

Somit kann auch die jetzige 10. Klasse, die wegen des ersten Lockdowns und der weltweiten Reisewarnung im vergangenen Jahr nicht nach Madrid fliegen konnte, den Austausch zumindest virtuell nachholen. 

Die Auftaktveranstaltung – eine Jitsi-Konferenz Anfang März mit fast 50 Teilnehmern, der widererwarten die Technik standhielt – war ein voller Erfolg. 

In Spanien praktizieren die Schulen bereits seit Beginn des Schuljahres Wechselunterricht, an dem eine Hälfte der Klasse in Präsenz teilnimmt, während die restlichen Schülerinnen und Schüler live vor ihren Rechnern daheim sitzen und den Unterricht streamen. Somit erhielten die Deutschen bei dem ersten virtuellen Aufeinandertreffen auch gleich einen authentischen Einblick in das Klassenzimmer und den Schulalltag der Spanier. Sogar der Direktor der IES, Javier Alija, hielt eine kurze Ansprache vor der Webcam. Nach einer deutsch-spanischen Vorstellungsrunde begann ein buntes Programm: über das Online-Spiel Kahoot! traten 

Deutsche und Spanier gegeneinander in Länderquiz‘ an, die Spanier zeigten eine filmische Führung durch ihre Schule, einige deutsche Schüler präsentierten im Gegenzug landestypische Gastgeschenke, die sie ihren Gastfamilien mitbringen würden. 

Am vergangenen Freitag wurde die nächste Runde eingeläutet: Nach eingehendem Studium der beiderseitig erstellten Schülersteckbriefe durch die Lehrkräfte, erfolgte die Zuordnung der Austauschpartner nach Interessen und Hobbies. Die Schülerinnen und Schüler starten also zu Beginn dieser Woche mit der individuellen Kontaktaufnahme. Erste Chatgruppen wurden bereits gegründet, einem regen Austausch steht nichts mehr im Wege. 

Parallel dazu arbeiten die deutschen Schülerinnen und Schüler an Kochvideos mit typisch deutschen Rezepten, die den Spaniern noch vor den Ferien kulinarische Ideen für das Osterfest bieten sollen. Auch das Auspusten und Bemalen von Eiern darf hierbei natürlich nicht fehlen – in Spanien ist diese Tradition nicht üblich und bestimmt lustig anzusehen. 

Die erste Kennenlernphase soll Ende März abgeschlossen werden. In den Monaten April und Mai werden deutsch-spanische Kleingruppen dann bei virtuellen Treffen an Projekten arbeiten, die den Schwerpunkt auf europäische Themen aus Politik, Ökologie und Wirtschaft legen. 

Im Juni endet dann die virtuelle Begegnung – zumindest, was den schulischen Teil betrifft. Denn wer weiß: Vielleicht wird aus den Online-Bekanntschaften nach der Pandemie noch ein gegenseitiger Besuch im echten Leben.