4. Mai 2020

 

Liebe Eltern,
liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Lehrkräfte,

heute gibt es ein spezielles „telegramm“ für die Klassenstufen 9, 10 und 11. Warum? – Der Grund ist, dass in den vier geplanten Öffnungsphasen der Schule für jede Klassenstufe unterschiedliche Präsenzzeiten vom Bildungsministerium vorgesehen sind.

Hintergrund der Phasenplanung ist, was Bildungsministerin Prien mit folgendem Satz zusammengefasst hat: "In der derzeitigen Situation ist ein regulärer Unterricht, wie wir ihn uns alle für die Kinder wünschen würden, ausgeschlossen.“

Die vier Phasen sehen für alle Schulformen ein wenig anders aus und die Ausgestaltung ist von Schule zu Schule selbst innerhalb einer Schulform ein wenig anders. Das hat mit den vorhandenen Raumgrößen und anderen Faktoren zu tun, die für die Einhaltung der strengen Hygienevorschriften erforderlich sind. Meine folgenden Ausführungen beziehen sich auf das Phasenmodell für Gymnasien.

In der Phase I, die noch bis morgen andauert, durften nur die Abiturientinnen und Abiturienten in der Schule sein und dort die Klausuren zum schriftlichen Abitur schreiben.

Erst in Phase III, die nicht vor der 22. KW beginnen soll, sind dann zusätzlich Präsenzangebote für die Klassen 8, 9, 10 und 11 vorgesehen, in der letzten Phase (ohne Zeitangabe) zusätzlich für Klasse 5 und 7.

Am Mittwoch beginnt Phase II, in der das Bildungsministerium Präsenzzeiten in kleinen Gruppen für die Klassenstufe 6 und Beratungszeiten für die Klassenstufen 9 bis 11 vorgesehen hat.

Die geltende Abstandsregelung macht in Klassenstufe 6 eine Halbierung der Klassen in jeweils zwei Lerngruppen nötig. Damit benötigen wir für die Präsenzzeiten dieser fünf Klassen unsere zehn größten Räume. Jeder der fünf Klassen sind fünf Lehrkräfte zugeordnet, damit sind – bei einigermaßen durchgehaltener Kapselung – 25 Lehrkräfte gebunden. Zahlreiche weitere Lehrkräfte sind nötig für Aufsichten an den Eingängen (draußen und drinnen) und den Waschräumen. 22 weitere Lehrkräfte werden Beratungen für die Klassen 9-11 durchführen.

Sie sehen also, dass schon diese Phase mit der verhältnismäßig vorsichtigen Öffnung eine Menge Ressourcen der Schule verschlingt.

Selbstverständlich werden die in der Betreuung der Präsenzzeiten eingesetzten Lehrkräfte weiterhin ihre sonstigen Gruppen mit Lernmaterial für das Homeschooling versorgen. Der Kontakt zwischen Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrkräften wird durch die Beratungsgespräche intensiviert.

 

Liebe Eltern, liebe Schülerinnen und Schüler, ich kann sehr gut verstehen, dass alle sich nach der „alten Normalität“ zurücksehnen, als man allmorgendlich (vielleicht ein wenig müde) zur Schule ging, nachmittags seine Aufgaben machte und sich dabei auf die nächsten Ferien freute. Das geht unserem Kollegium nicht anders.

Ich weiß auch, liebe Eltern, dass Sie sich Sorgen machen, ob denn ihr Kind vielleicht durch die Zeiten der Schulschließung viel Unterrichtsstoff versäumt und dies dann zu Nachteilen in den folgenden Schuljahren führt. Sie dürfen sicher sein, dass unsere Lehrerinnen und Lehrer alles daransetzen, weitestgehend den Lernstoff für die Zeiten der Schulschließung im Homeoffice zu vermitteln. Wo dies nicht möglich ist, sind die Fachschaften gehalten, Absprachen zu treffen, damit die Lehrkräfte des nächsten Schuljahres nur Inhalte voraussetzen, die auch tatsächlich vermittelt werden konnten.

Eine weitere Sorge ist die Festlegung des Ministeriums, dass die Ganzjahresnoten bzw. in Klasse 11 die Halbjahresnoten auf dem Leistungsstand vom 13. März basieren sollen. Was bedeutet das? Was, wenn ich mich im letzten Quartal noch besonders anstrengen und damit meine Zeugnisnote verbessern wollte? – Keine Sorge, dies ist nach wie vor möglich, allerdings nur über den Bereich der sogenannten „Unterrichtsbeiträge“ (früher nannte man das „mündliche Note“). Was an Beiträgen und Leistungen ab dem 20. April im Homeschooling oder während eines Präsenzangebotes geleistet wurde, kann zur Verbesserung und nur zur Verbesserung dieses Notenbereichs eingesetzt werden. Klassenarbeiten werden nicht mehr geschrieben, d. h. an der „schriftlichen Note“ wird sich nichts mehr ändern. Bei der Bildung der Ganzjahresnote/Semesternote wird der Bereich der „Unterrichtsbeiträge“ in allen Fächern überwiegend gewichtet.

Die Verbesserung kann grundsätzlich auf zwei Arten geschehen:

  • Man erledigt die im Homeoffice gestellten Aufgaben besonders sorgfältig und bittet die Lehrkraft um Korrektur und Bewertung und/oder man zeigt während der Präsenzzeiten besonders gute Leistungen.
  • Man erfragt bei der Lehrkraft, ob eine Extraleistung möglich und sinnvoll ist. Dies hängt sicher von fachlichen Gegebenheiten ab und auch davon, wie gut der Grad der Selbstständigkeit von der Lehrkraft eingeschätzt werden kann. Diese zweite Art ist sicher eher die Ausnahme in besonderen Fällen.
  • Ausnahmen: In der Oberstufe gibt es in einigen wenigen Kursen den Fall, dass eine Klausurersatzleistung bereits vor dem 13. März „angesetzt“ wurde und ihre Bearbeitungszeit erst nach den Osterferien endet. Da hier die Schülerinnen und Schüler schon Arbeit investiert haben und auch alle unter den gleichen Bedingungen die Aufgabenstellung bekommen haben, werden diese Leistungen wie geplant als Ersatzleistungen gewertet, hier kann sich dann die „schriftliche Note“ durch die erzielte Bewertung verbessern oder verschlechtern.

Die Schule wird sich in den nächsten Tagen mit den Eltern und Kindern wegen der Übermittlung des Leistungsstandes vom 13. März in Verbindung setzen. Wenn dann der Wunsch nach Verbesserung der Note in dem einen oder anderen Fach besteht, sollte das die entsprechende Lehrkraft wissen, damit ggf. dazu ein Fach-Beratungsgespräch vereinbart werden kann.

Einzelheiten zu Inhalt, Organisation und Ablauf der Beratungsgespräche werde ich morgen noch in einem eigenen „telegramm“ erläutern.

Wir alle können durch Sorgfalt beim Verhalten, durch Einhaltung von Abstands- und Hygienevorschriften dazu beitragen, dass die Phasen möglichst schnell aufeinanderfolgen und dass es keine Rückschritte im Verlauf gibt.

Mit freundlichen Grüßen und den besten Wünschen für Gesundheit und Durchhalten
Brigitte Menell