Fragen rund um das Journalisten-Dasein konnten die Schüler*innen des Medienkunde-WPK am Montag loswerden. Andreas Olbertz, Redakteur des Stormarner Tageblatts stand den „Jungen Reportern“ bei seinem Besuch im KGB Rede und Antwort.

„Ich habe nie etwas anderes gemacht“. Bereits als Schüler war Olbertz als freier Mitarbeiter tätig. Nach einer Fotografen-Lehre und mehreren Absagen bei verschiedenen Blättern, machte er schließlich ein Volontariat bei einer Lokalzeitung im Norden. Übernommen wurde er danach jedoch nicht. Für einen festen Vertrag zog er in die Uckermark nach Brandenburg. Später wechselte er wieder zum freien Journalismus und in den Norden. Nach der „Bewährungszeit“ wurde er Pauschalist (fester Freier) bei der Dithmarscher Rundschau. Als eine Stelle frei wurde, ging er schließlich als festangestellter Redakteur zum Stormarner Tageblatt in die Lokalzeitung.

 

 

Als freier Journalist wird man nach Zeilen (eine Zeile à 15-20 cent, je nach Erfahrung) und Fotos (15-20 Euro pro Foto) bezahlt. Ein Pauschalist ist zwar selbstständig, bekommt aber schon ein festes Honorar sowie Kranken- und Urlaubsgeld. Felxibilität und Ausdauer ist gefragt – dafür bleibt die langweilige Routine aus.

„Die Arbeit in der Lokalredaktion ist sehr vielfältig“, erzählt Olbertz, „man mach eigentlich alles – außer Sport, dafür sind die Fachmänner zuständig.“

Arbeitsbeginn ist um zehn Uhr. Und Arbeitsende? „Ist dann wenn die Zeitung fertig ist. Das kann manchmal erst bei Andruck sein, also, wenn die Zeitung um 23 Uhr bzw. 23.30 Uhr in den Druck geht.“ Häufig finden auch politische Veranstaltungen am Abend statt. Für Überstunden gibt es dann ab und an einen freien Tag – insgesamt sei der Beruf des Redakteurs aber nicht sehr familienfreundlich.

Neue Themen suchen die Journalisten sich selbst, indem sie mit offenen Augen durch die Stadt gehen. „Wir sind aber auch auf die Mithilfe der Bürger*innen angewiesen, die uns auf Veranstaltungen oder Probleme aufmerksam machen.“ Am schwierigsten sei die sogenannte „Saure-Gurken-Zeit“ im Sommer. „Da bearbeiten wir dann weniger aktuelle, sondern eher allgemeine Themen wie ‚Woher stammen die Straßennamen in unserer Stadt?‘ oder ‚Die Bewohner der Kleingarten-Siedlung stellen sich vor‘.“

Am besten funktionieren sogenannte „Blaulicht-Themen“, also negative Nachrichten, weil das die Leute am meisten interessiere.

Wichtig sei es, möglichst offen und unvoreingenommen zu Terminen zu gehen, auch als Journalist lerne man noch viel dazu. Auch die „Konkurrenzbeobachtung“ gehöre dazu. „Man vergleicht die Lokalteile der anderen Zeitung schon mit dem eigenen. Außerdem schadet eine gesunde Allgemeinbildung und die Lektüre anderer Zeitungsformate nicht.“

Im Durschnitt schreibt ein Lokalredakteur ein bis drei Artikel pro Tag – je nach Umfang des Themas. Interessant und abwechslungsreich sei sein Beruf auf alle Fälle, so Olbertz. Vor allem stets aktuell. „Du machst heute etwas und fängst morgen wieder von Null an. Denn: Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern.“

Aber auch eine zunehmende Entwertung des Journalistenberufs sei festzustellen. Im Internet werden Inhalte oft verschenkt, obwohl das Potential von Online-Zeitungen groß sei. Man könne Texte mit Filmen, Audioaufnahmen oder interaktiven Karten kombinieren und so schriftliche Inhalte ergänzen, was bei der gedruckten Tageszeitung nicht möglich sei. Auch die Bezahlung sei im Print-Bereich nicht mehr angemessen. „Auf Dauer ist der Beruf des Redakteurs kein Beruf mehr, mit dem man eine Familie ernähren kann“, schließt Olbertz. Man müsse sich möglichst breit aufstellen, um überhaupt eine Chance auf dem Markt (Print, TV, Radio) und das nötige Gehalt zu bekommen.

Die Schüler*innen des WPK waren beeindruckt von der Offenheit, mit der Andreas Olbertz über seinen Beruf sprach. Vom Schreiben lassen sie sich trotzdem nicht abbringen. Schließlich wollen sie ihre bereits geschriebenen Reportagen im Stormarner Tageblatt veröffentlichen – und bei einem Redaktionsbesuch Mitte Juni sogar ihre eigene Zeitungsseite gestalten.