Wie Zeitzeugin Bejarano gegen das Vergessen kämpft

92-Jährige berichtet Schülern in Bargteheide von ihrem Leben während des Nationalsozialismus


BARGTEHEIDE „Ich singe so lange, bis es keine Nazis mehr gibt. In unserer Welt ist kein Platz für diese menschenverachtende Ideologie“, sagt Esther Bejarano. Während sie spricht, ist es mucksmäuschenstill in der Pausenhalle des Kopernikus Gymnasiums in Bargteheide. Die 92-Jährige hat im Zweiten Weltkrieg das Vernichtungslager Auschwitz überlebt und berichtet 200 Oberstufenschülern aus ihrem Leben als Jüdin während der Nazizeit.

Die aktuelle Schülergeneration werde die letzte sein, die davon profitiert, Erlebnisse von Zeitzeugen zu hören. „Ihr seid diejenigen, die dafür sorgen müssen, dass der Rechtsruck in der Welt nicht größer wird“, appelliert Esther Bejarano. Es hat fast bis zu ihrem 70. Lebensjahr gedauert, bevor sie bereit war, ihre Geschichte zu erzählen. Eine Konfrontation mit Neonazis, Demonstranten und der Polizei habe den Ausschlag dazu gegeben. Heute sei sie dankbar, als Zeitzeugin auftreten zu dürfen: „Es hat mich innerlich befreit, über mein Schicksal zu reden. Die Albträume sind weniger geworden.“

Die Zeit zwischen ihrem 16. und 21. Lebensjahr verbrachte Bejarano in Gefangenschaft. Dass sie Auschwitz überlebte, verdanke sie dem Glück und ihrer Musikalität. Als Akkordeonspielerin musste sie täglich den Marsch der Arbeitskolonnen begleiten, entkam so der Gaskammer. Später wurde sie ins KZ Ravensbrück verschleppt, konnte kurz vor Kriegsende fliehen. „Ich habe immer den Willen und die Hoffnung gehabt, zu überleben.“

Bejerano erinnert an die Verantwortung Deutschlands, Flüchtlinge aufzunehmen

Die Offenheit Bejaranos beeindruckt die Schüler sehr. Ihre KZ-Nummer, eintätowiert auf den linken Oberarm, habe sie nicht mehr, erzählt die 92-Jährige auf Nachfrage. Zu häufig seien ihr deswegen unwürdige Fragen gestellt worden. Auch Schuldgefühle, überlebt zu haben, plagten sie nicht. Allerdings sei sie nicht bereit gewesen, als Zeitzeugin bei den Nürnberger Prozessen aufzutreten. Mit leisen Tönen schafft Esther Bejarano es, die Schüler an ihrer Leidensgeschichte teilhaben zu lassen und ihnen den Wert von Freiheit und die Bedeutung von Verantwortung zu vermitteln. „In unserer Welt sehe ich zu viele Parallelen zu damals, das ist schrecklich und darf sich nicht wiederholen. Wir haben die Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen, wenn sie in Not sind.“

Geschichte und Politik gehen Hand in Hand, ist das Fazit der Oberstufenschüler Jannes, Paul und Anne-Kristin. Jannes: „Wer seine Identität finden will, muss sich mit der Geschichte auseinandersetzen.“ csc

Kopernikus Gymnasium Bargteheide
Am Schulzentrum 1
D-22941 Bargteheide
 
Telefon: 04532-97620
Fax: 04532-260485



Aktuelles